Was die Forschung über die Hundenase verrät – und warum unser bester Begleiter keine Diagnose stellen muss.

Eine Frau umarmt ihren Golden Retriever im warmen Licht der untergehenden Sonne.
Manchmal reicht es, einfach zusammen zu sein. Symbolbild. Foto: Helena Lopes / Pexels.

Du kommst nach Hause, setzt dich hin, und dein Hund legt den Kopf auf dein Knie. Heute bleibt er etwas länger. Vielleicht schnuppert er an deiner Hand, vielleicht folgt er dir von Zimmer zu Zimmer. Da liegt der Gedanke nahe: Merkt er, dass es mir gerade nicht gut geht?

Die Frage beschäftigt auch die Wissenschaft. Tatsächlich können trainierte Hunde bestimmte Veränderungen im menschlichen Körpergeruch unterscheiden. Was sie dabei leisten, ist erstaunlich. Was wir daraus über unseren eigenen Hund ableiten können, ist allerdings eine andere Frage.

Kann Stress einen Geruch haben?

Manchmal braucht es keine Krankheit, damit sich unser Geruch verändert. In einer 2022 veröffentlichten Studie untersuchten Forschende Atem- und Schweissproben von 36 Menschen: einmal vor und einmal nach einer belastenden Kopfrechenaufgabe. Vier trainierte Hunde lernten, die Stressprobe zu erkennen. In den anschliessenden Unterscheidungstests wählten sie diese in insgesamt 93,75 Prozent der Durchgänge richtig aus. [1]

Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis. Es zeigt, dass akuter Stress mit einer für Hunde wahrnehmbaren Geruchsveränderung verbunden sein kann. Es zeigt jedoch nicht, dass jeder Familienhund Stress zuverlässig erkennt – oder versteht, warum sein Mensch belastet ist.

Trotzdem passt der Befund zu einer vertrauten Erfahrung: Unsere Hunde nehmen offenbar mehr von uns wahr, als wir ihnen bewusst mitteilen.

Was Forschende bei Krankheiten untersuchen

Mit Atem, Schweiss oder Urin geben wir Stoffe an unsere Umgebung ab. Manche Erkrankungen können deren Zusammensetzung verändern. In Studien lernen Hunde, bestimmte Geruchsmuster in solchen Proben anzuzeigen. Untersucht wird das unter anderem bei verschiedenen Krebsarten. [2]

Eine Übersichtsarbeit von 2022 wertete 50 Studien zur Erkennung von Krankheiten und gesundheitlichen Zuständen durch Hunde aus. Die Ergebnisse zeigen Potenzial, zugleich waren die Untersuchungen sehr unterschiedlich aufgebaut. Häufig wurden nur wenige Hunde getestet. Gute Trefferquoten unter kontrollierten Bedingungen beantworten deshalb noch nicht die Frage, wie zuverlässig das Verfahren im medizinischen Alltag wäre. [2]

Auch wichtig: Ein Hund, der immer wieder an derselben Körperstelle schnuppert, liefert damit keinen Krebsbefund. Sein Verhalten lässt sich nicht wie ein medizinischer Test lesen.

Bei Diabetes zeigt sich, wie unterschiedlich die Ergebnisse sind

Diabetes-Assistenzhunde werden darauf trainiert, ihre Menschen auf Blutzuckerwerte ausserhalb des Zielbereichs aufmerksam zu machen. Hier lässt sich besonders gut erkennen, warum eine einzelne Erfolgszahl nicht die ganze Geschichte erzählt.

Eine Studie von 2017 verglich die Meldungen von 14 Hunden mit kontinuierlichen Glukosemessungen. Während der Wachzeiten wurden im Durchschnitt nur 35,9 Prozent der Unterzuckerungsereignisse angezeigt. Eine andere Untersuchung von 2019 mit 27 Hunden berichtete für Unterzuckerungen eine mediane Sensitivität von 83 Prozent. Sie stützte sich auf routinemässige Aufzeichnungen der Halterinnen und Halter. In beiden Studien gab es deutliche Unterschiede zwischen den Hunden. [3, 4]

Diese Zahlen stammen aus verschiedenen Untersuchungen und sind kein direkter Leistungsvergleich. Sie zeigen aber: Ausbildung, das einzelne Mensch-Hund-Team und die Art der Überprüfung müssen mitgedacht werden. Ein Assistenzhund kann Unterstützung bieten; auf die medizinische Blutzuckerkontrolle kann man deshalb nicht verzichten.

Einen Anfall erkennen ist nicht dasselbe wie ihn vorhersagen

2019 gelang fünf trainierten Hunden in einer kleinen Studie, Geruchsproben von fünf Menschen während eines epileptischen Anfalls von anderen Proben zu unterscheiden. Getestet wurden Proben aus der Anfallsphase – keine zuverlässige Vorwarnung vor einem bevorstehenden Anfall. [5]

Genau dieser Unterschied geht in eindrucksvollen Schlagzeilen leicht verloren. Einen vorhandenen Geruch zu erkennen und rechtzeitig vor einem Ereignis zu warnen, sind zwei verschiedene Aufgaben.

Was bedeutet das für deinen Hund zu Hause?

Wenn dein Hund ungewöhnlich anhänglich ist oder dich ausgiebig beschnuppert, musst du daraus keine versteckte Krankheit ableiten. Sein Verhalten allein sagt weder, dass du krank bist, noch, dass du gesund bist. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg.

Interessant bleibt die Forschung trotzdem. Sie zeigt, wie viele Informationen in Gerüchen stecken können, die uns selbst entgehen. Und sie erinnert uns daran, unseren Hund aufmerksam zu beobachten, ohne jede seiner Gesten zur Botschaft zu erklären.

Unser Gedanke bei Paws & Stays

Dein Hund muss keine Krankheit erkennen, um dein bester Begleiter zu sein. Vielleicht bemerkt er, dass heute etwas anders ist. Vielleicht möchte er einfach bei dir liegen. Beides darf reichen.

Für uns bei Paws & Stays liegt das Besondere auch in den kleinen Dingen: ein Kopf auf dem Knie, eine gemeinsame Runde draussen, ein Hund, der sich neben uns zusammenrollt, wenn der Tag anstrengend war. Er muss uns keine Antwort geben. Seine Gesellschaft ist oft schon das, was wir gerade brauchen.

Quellen

[1] Wilson C. et al. (2022). Dogs can discriminate between human baseline and psychological stress condition odours. PLOS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0274143

[2] Juge A. et al. (2022). Canine olfaction as a disease detection technology: A systematic review. Applied Animal Behaviour Science, 253, 105664. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2022.105664

[3] Gonder-Frederick L. A. et al. (2017). Diabetes Alert Dogs (DADs): An assessment of accuracy and implications. Diabetes Research and Clinical Practice. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28974470/

[4] Rooney N. J. et al. (2019). How effective are trained dogs at alerting their owners to changes in blood glycaemic levels?: Variations in performance of glycaemia alert dogs. PLOS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0210092

[5] Catala A. et al. (2019). Dogs demonstrate the existence of an epileptic seizure odour in humans. Scientific Reports, 9, 4103. https://doi.org/10.1038/s41598-019-40721-4

Napsat komentář