Paws Journal · Training & Behaviour

Hundetraining ohne Schmerz: Worauf es bei Methoden und Hilfsmitteln ankommt

Manchmal wünschen wir uns einfach, dass der Rückruf endlich klappt. Oder dass der Spaziergang nicht an jeder Hundebegegnung anstrengend wird. Gerade dann klingen schnelle Lösungen verlockend. Die wichtigere Frage lautet: Wie lernt unser Hund dabei – und wie geht es ihm damit?

Eine Person gibt einem Hund im Freien eine Belohnung

Foto: Helena Lopes / Pexels · Pexels-Lizenz. Symbolbild.

Eine aktuelle Debatte mit älterer Forschung dahinter

Auf der Änderungsliste der nordirischen Assembly vom 5. Oktober 2026 steht ein Antrag zum Verbot aversiver Trainingshilfsmittel. [1] Diese Liste dokumentiert einen politischen Vorschlag; sie ist kein Nachweis eines bereits geltenden Verbots. Für unseren Alltag ist sie ein Anlass, auf die Forschung zu schauen. Die folgenden Studien stammen aus 2020, nicht aus dieser Woche.

Was die Studien tatsächlich untersuchten

Vieira de Castro und ihr Team beobachteten 92 Hunde in sieben Hundeschulen. In Schulen mit mehr aversiven Verfahren zeigten die Hunde häufiger stressbezogenes Verhalten; die stark aversive Gruppe war auch häufiger angespannt. Die Zuordnung war nicht zufällig. Unterschiede zwischen Schulen, Hunden und Menschen können mitwirken; ein eindeutiger Kausalnachweis ist das nicht. Die Studie prüfte das Wohlbefinden, nicht den Trainingserfolg. [2]

China, Mills und Cooper verglichen bei 63 Hunden drei Trainingsgruppen. Bei Rückruf und «Sitz» reagierte die vorwiegend belohnungsbasiert trainierte Gruppe unter anderem häufiger auf das erste Signal. Ein Vorteil elektronischer Halsbänder zeigte sich dabei nicht. Allerdings unterschieden sich auch die Trainer und Trainingszeiträume; beobachtet wurde nur ein kurzer Trainingsblock. Das Ergebnis beantwortet nicht jede Frage zu jedem Verhaltensproblem. [3]

Was in der Schweiz gilt

Das BLV nennt Stachelhalsbänder und Zughalsbänder ohne Stopp als verbotene Hilfsmittel. Auch Geräte mit elektrischen Reizen sind verboten; für bestimmte therapeutische Anwendungen bestehen eng begrenzte Ausnahmen mit kantonaler Bewilligung und speziell befähigten Fachpersonen. [4] Für einen gewöhnlichen Trainingsalltag sind solche Ausnahmen keine Einkaufsempfehlung.

So würden wir eine Hundeschule auswählen

Frag vor der ersten Stunde konkret: Was passiert, wenn mein Hund etwas nicht versteht? Wie wird erwünschtes Verhalten belohnt? Darf mein Hund Abstand nehmen oder eine Pause machen? Lass dir ein Vorgehen an einer Alltagssituation erklären. Eine gute Antwort sollte dir helfen, selbst verständlicher und verlässlicher zu werden.

Unsere Empfehlung: Lieber an einem überschaubaren Ziel arbeiten und Fortschritte gemeinsam mit der Trainerin oder dem Trainer prüfen. Wenn Angst oder Aggression den Alltag bestimmen, braucht es individuelle fachliche Begleitung statt eines pauschalen Tipps aus einem Artikel.

In unserer Sektion Training findest du Angebote zur weiteren Orientierung. Dazu passen die Bereiche Spielzeug und Trainingshilfen sowie Leinen, Halsbänder und Geschirre. Ein gelistetes Angebot ist allein noch kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis.

Unser Fazit bei Paws & Stays

Für uns soll Training das gemeinsame Leben leichter machen: beim Spaziergang, im Restaurant oder auf Reisen. Wir wünschen uns einen Hund, dem wir etwas verständlich zeigen können, und Menschen, die bereit sind, dazuzulernen. Unser bester Begleiter muss kein perfekt funktionierender Hund sein. Klare Regeln, Geduld und ein freundlicher Umgang passen gut zusammen.

Quellen und Einordnung

  1. Northern Ireland Assembly (5.10.2026). Marshalled List of Amendments – Banning the Use of Aversive Training Tools for Domestic Animals. Originaldokument zum Antrag.
  2. Vieira de Castro A. C. et al. (16.12.2020). Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE 15(12), e0225023. Volltext und DOI.
  3. China L., Mills D. S., Cooper J. J. (22.7.2020). Efficacy of Dog Training With and Without Remote Electronic Collars vs. a Focus on Positive Reinforcement. Frontiers in Veterinary Science 7:508. Volltext und DOI.
  4. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Hunde – Erziehungsmassnahmen und -hilfen. Offizielle Informationen, abgerufen am 8.10.2026.

Recherche: 8.10.2026. Die Originaltexte der beiden Studien wurden gelesen. Der aktuelle politische Anlass und die älteren Forschungsergebnisse sind getrennt gekennzeichnet.

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