Paws Journal · Health & Care

Was das Hundeherz beim Abhören verrät – und was verborgen bleiben kann

Der Tierarzt setzt das Stethoskop an, hört einen Moment zu und sagt: «Da ist ein Herzgeräusch.» Ein kurzer Satz, der viele Fragen auslösen kann. Wie ernst ist das? Was muss abgeklärt werden? Eine neue, grosse Untersuchung hilft, den Befund einzuordnen.

Tierarzt untersucht einen Hund mit einem Stethoskop

Zuhören ist ein Anfang

Für die LISTEN-Studie untersuchten 50 kardiologisch geschulte Tierärztinnen und Tierärzte insgesamt 6’996 Hunde. Bei demselben Termin wurden das Herz nach einem festgelegten Schema abgehört und ein Herzultraschall durchgeführt. Die am 13. Oktober 2026 veröffentlichte Arbeit verglich die dokumentierten Geräusche mit den Ultraschallbefunden. [1]

Lauter bedeutet nicht immer schwerer krank

Bei der myxomatösen Mitralklappenerkrankung nahm die Geräuschstärke im Gruppenvergleich mit dem Krankheitsstadium zu. Bei einzelnen Hunden gab es jedoch deutliche Überschneidungen. Bei der dilatativen Kardiomyopathie, einer Erkrankung des Herzmuskels, war der Zusammenhang anders: 25,8 Prozent der betroffenen Hunde hatten kein hörbares Herzgeräusch. Auch die Lautstärke stieg hier nicht gleichmässig mit dem Stadium. [1]

Die Untersuchung bestätigt damit: Abhören und Ultraschall liefern ergänzende Informationen. Die Lautstärke allein bestimmt weder die genaue Diagnose noch das Stadium einer Erkrankung. [1]

Was die Studie offenlässt

Die Hunde kamen überwiegend aus spezialisierten kardiologischen Untersuchungen. Die Ergebnisse beschreiben daher keine Krankheitshäufigkeit unter allen Haushunden. Mehrere Untersuchende, fehlende Verblindung und nicht zentral überprüfte Geräuschbewertungen können die Befunde beeinflusst haben. Wie zuverlässig ein allgemeiner Vorsorgecheck Krankheiten entdeckt, wurde nicht berechnet. [1]

Fragen dürfen mit in die Praxis

Für uns als Halterinnen und Halter muss daraus kein kleines Kardiologiestudium werden. Hilfreich ist ein Gespräch, in dem der Befund verständlich wird: Was wurde gehört? Was ist bereits bekannt? Welche weitere Untersuchung würde welche Frage beantworten? Und wie sieht der nächste Schritt für genau diesen Hund aus?

Schreib dir deine Fragen ruhig vorher auf. In der Aufregung vergisst man leicht, was man eigentlich wissen wollte. Auch konkrete Beobachtungen aus dem Alltag können beim Gespräch helfen. Aus einer Zahl oder einem Begriff im Bericht sollte dagegen keine eigene Diagnose werden.

In der Sektion Tierarztpraxen und tierärztliche Versorgung findest du Anlaufstellen. Einen weiteren Blick auf individuelle Behandlung und Forschung bietet unser Beitrag Wenn ein Hund an Krebs erkrankt.

Unser Fazit bei Paws & Stays

Ein auffälliger Befund kann einem kurz den Boden unter den Füssen wegziehen. Wir finden: Gute Erklärungen gehören genauso zur Betreuung wie die Untersuchung selbst. Unser Hund bleibt dabei der vertraute Begleiter mit seinen Gewohnheiten, Lieblingswegen und kleinen Eigenheiten. Er muss uns nichts beweisen. Wir können ihm zur Seite stehen, Fragen stellen und gemeinsam mit der Praxis einen passenden Weg finden.

Quellen und Einordnung

  1. Wess G. et al. (13.10.2026). Prospective multicenter study of murmur localization and stage-associated murmur grading in dogs with echocardiographically diagnosed cardiac diseases: the LISTEN study. Frontiers in Veterinary Science 13:1944439. Originalstudie und Volltext · DOI: 10.3389/fvets.2026.1944439.

Die Originalarbeit wurde einschliesslich Methoden und Einschränkungen gelesen. Sie ist eine Beobachtungsstudie. Unsere Gesprächsanregungen sind redaktionelle Einordnung und wurden darin nicht als Massnahmen untersucht. Stand: 16.10.2026.

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